Universität Tübingen

Studiengang islamische Seelsorge wird erstmals angeboten

Erstmals wird der Studiengang „islamische Theologie und Sozialarbeit“ an einer deutschen Hochschule angeboten. Die Universität Tübingen möchte mit dem Masterstudiengang den großen Bedarf an islamischen Seelsorgern abdecken.

12
06
2016
Senioren brauchen sensible Pflege © E-Plus Gruppe Fotostream auf flickr, bearbeitet by IslamiQ.

Die Universität Tübingen wird als erste Hochschule ab dem Wintersemester den Masterstudiengang für islamische Seelsorge und Sozialarbeit anbieten. „Der neue Masterstudiengang füllt eine akademisch bisher wenig erschlossene Lücke“, sagte der Studiendekan des Tübinger Zentrums für Islamische Theologie (ZITH), Mouez Khalfaoui, am Mittwoch.

Der Studiengang, der den Titel „Praktische Islamische Theologie für Seelsorge und Soziale Arbeit“ trägt, soll vier Semester dauern und islamische Religionswissenschaftler und Theologen auf die Arbeit als Seelsorger in Moscheegemeinden, Krankenhäusern, Gefängnissen, Schulen, in der Flüchtlingsarbeit, beim Militär und in der Altenhilfe vorbereiten.

Laut Medienberichten gebe es im Südwesten bereits ehrenamtliche islamische Seelsorger, die bisher beispielsweise vom Verein „Mannheimer Institut für Integration und interreligiösen Dialog“ für diese Tätigkeit ausgebildet wurden. Seit dem Jahr 2012 sollen nach Angaben des Geschäftsführers 120 Ehrenamtliche die Schulung mitgemacht haben, wie die „Südwest Presse“ berichtet.

Manne Lucha, der neue Sozial- und Integrationsminister (Grüne) ist erfreut über den neuen Masterstudiengang, der den Bedarf an professionell ausgebildeten muslimischen Seelsorgern im Land abdecken soll. „Wenn ihnen ein Seelsorger mit profunden Kenntnissen des eigenen religiösen und kulturellen Hintergrunds beistehen kann, ist das nur zu begrüßen“, sagte Minister Lucha. Bei Schicksalsschlägen oder anderen Notlagen bräuchten die Menschen jemanden, der ihnen zuhöre und sie tröste.

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
"Theologie" ist keine Wissenschaft, da es ums Glauben geht, und gehört daher überhaupt nicht auf staatliche Universitäten. Die Religionsgemeinschaften sollten selbst Akademien organisieren, wie das auch die politischen Parteien machen. Staatliche Kontrolle ja, aber nicht auf Staatskosten, wie auf den "theologischen Fakultäten". Auf den Unis gibt es ja auch keine sozialdemokratische oder christdemokratische Fakultät, die mit Steuergeld finanziert werden, warum soll es dann eine katholische, evangelische oder islamische Studienrichtung geben! Wenn schon "Theologie", warum dann aber nicht für alle Religionsgemeinschaften, wie z.B. die Bahai und den Jainismus? In Österreich wurden bei der letzten Volkszählung 45 Religionen erfasst. Bisher haben sich die Katholiken und die Evangelischen den deutschsprachigen Raum geteilt. Seit dem Augsburger Religionsfrieden mussten die Untertanen auch die entweder katholische oder evangelische Religion des Landesherren annehmen oder auswandern. Die Privillegien dieser beiden Religionsgemeinschaften aus den vergangenen Jahrhunderten sollten offenbar jetzt dadurch verfestigt werden, dass man den Islam als dritte Staatsreligion ins Boot holt.
14.06.16
11:03