Studie Integration

„Dazugehören ist oft nicht leicht“

„Der Islam gehört zu Deutschland“, sagt die Bundeskanzlerin. „Der Islam gehört nicht zu Deutschland“, hält die AfD dagegen. Eine neue Studie zu Religion und Integration zeigt: Die Mehrheit der Muslime hat schon das Gefühl, „ich gehöre dazu“.

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04
2016
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Deutschland Flagge © by Martin Abegglen auf Flickr (CC BY-SA 2.0), bearbeitet islamiQ

Muslimische Migranten und ihre Nachkommen fühlen sich häufiger als christliche Zuwanderer nicht als Teil der deutschen Gesellschaft. Das aktuelle Integrationsbarometer zeigt: Während sich in der zweiten Generation fast 96 Prozent der christlichen Neubürger „dazugehörig“ fühlen, sind es bei den Muslimen deutlich weniger – knapp 84 Prozent.

Das hat jedoch viele Ursachen. Und die haben nicht alle mit Religion zu tun, sondern auch mit den Gründen für Migration. Und auch damit, wie die Möglichkeiten sind, die Verbindung zur alten Heimat aufrechtzuerhalten. Beispielsweise fällt es einer Familie, die aus der Türkei stammt, leichter, jedes Jahr ihr Herkunftsland zu besuchen, als Brasilianern oder Vietnamesen, die für die Reise deutlich mehr bezahlen müssen.

Der wichtigste Integrationsfaktor ist die Religion in Deutschland auf jeden Fall nicht. Auch die Abstammung spielt nach Einschätzung der Migranten nicht die alles entscheidende Rolle. Sie glauben, die besten Chancen auf eine „Eintrittskarte“ in die hiesige Gesellschaft, habe nicht derjenige, der Christ ist, einen deutschen Pass hat oder deutsche Vorfahren. Nein, es sind diejenigen mit einem festen Job. In diesem Punkt – das zeigt das aktuelle Integrationsbarometer des Sachverständigenrates für Migration – sind sich alle einig, Alteingesessene, Neubürger und auch die in Deutschland lebenden Ausländer. Mehr als vier Fünftel von ihnen sehen „einen festen Arbeitsplatz“ als wichtigste Voraussetzung dafür, in der deutschen Gesellschaft akzeptiert zu werden.

Das klingt zwar irgendwie kalt und nüchtern, hat aber für die Migranten auch Vorteile. Denn das ist ein Faktor, den sie selbst beeinflussen können, anders als zum Beispiel den Geburtsort. Immer vorausgesetzt sie haben eine Arbeitserlaubnis.

Überhaupt zeigt das Integrationsbarometer 2016 in der Summe mehr Licht als Schatten. Über die Hälfte der Menschen hierzulande beurteilt das „Integrationsklima“ insgesamt positiv. Allerdings wurden die Daten für diese umfassende Studie zwischen März und August 2015 erhoben – und damit bevor binnen weniger Wochen Hunderttausende von Flüchtlingen und illegalen Migranten in Deutschland Schutz suchten.

Außerdem: Die Mehrheit der in Deutschland lebenden Muslime hat das Gefühl, Angehörige ihrer Glaubensgemeinschaft würden ausgegrenzt. Unter den mehrheitlich muslimischen Zuwanderern aus der Türkei finden 68,7 Prozent die Feststellung „insgesamt werden viele Muslime aus der Gesellschaft in Deutschland ausgeschlossen“ zutreffend. Auch 59,1 Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund sehen das so.

Allerdings: Knapp drei Viertel der in Deutschland lebenden Menschen türkischer Herkunft sagen, sie selbst fühlten sich als Teil der deutschen Gesellschaft. Wie geht das zusammen? Nun, die Forscher sagen, das eine sei eben eine Frage nach der persönlichen Erfahrung, das andere nach einer Einschätzung der Gruppe.

Auch die Antworten zur Akzeptanz von Moscheen in der eigenen Nachbarschaft erscheinen nur auf den ersten Blick unlogisch. Denn als der Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) mehr als 1300 Deutsche ohne Migrationshintergrund fragte, ob sie ein Problem mit dem Bau einer „sichtbaren Moschee“ in ihrer Wohngegend hätten, «outeten» sich nur etwa 27 Prozent von ihnen als Moschee-Gegner. Gleichzeitig vermuteten aber rund 63 Prozent der Befragten aus dieser Gruppe, dass sich ihre Nachbarn daran stören würden. Die Wissenschaftler sehen hier das so genannte Phänomen der „sozialen Erwünschtheit“ am Werke. Sie vermuten, manche Deutsche wollten sich vielleicht nicht offen gegen Moscheebauten aussprechen, „um nicht als religiös intolerant betrachtet zu werden“. Deshalb projizierten sie ihre eigene Ablehnung auf die Nachbarschaft. (dpa/iQ)

Leserkommentare

Manuel sagt:
Sorry, aber viele Moslems grenzen sich ja selbst aus, wenn sie überhaupt zu keiner Diskussion über die problematischen Stellen im Koran bereit sind, ständig auf das Kopftuch pochen, den Dogmatismus über Vernunft und Freiheit stellen, nicht eindeutig die Hadd-Strafen ablehnen, die zweitrangige Stellung der Frau im Islam nicht hinterfragen, Töchtern verbieten am Schimmunterricht, Sexualkundeunterricht und auf Klassenfahrten teilzunehmen & bei jeder Kritik sofort die Rassismus-Keule schwingen.
27.04.16
11:58
Andreas sagt:
@Manuel: Wo liegt denn da die Selbstausgrenzung? Was Sie Kritik nennen ist Hetze. Und damit ist es natürlich rassistisch. Ihnen geht es nicht um Diskussion, sondern nur darum, dass Sie Ihre Hetzparolen loswerden können. Für Gegenargumente sind Sie nicht empfänglich, mögen sie auch noch so richtig und plausibel sein. Am Kopftuch ist als Kleidungsstück nichts auszusetzen. Der Koran ruft gerade dazu auf, alles mit Vernunft anzugehen und eben nicht dogmatisch. Im Koran gibt es viele Stellen, die gerade die Gleichrangigkeit von Mann und Frau klarstellen. Es sind nicht die Masse muslimischer Eltern, die ihre Kinder vom Schwimmunterricht, Sexualkundeunterricht oder von Klassenfahrten fernhalten. Sie greifen sich also einfach nur die Einzelfälle heraus, die Ihr Weltbild bestätigen und blenden alles andere aus. So ging der Antisemitismus gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch vor. Aber diese Hetzer haben sich wenigstens selbst Antisemiten genannt und sich nicht hinter der Vokabel "Kritik" versteckt.
28.04.16
11:28
Ute Fabel sagt:
Weder der Koran noch die Bibel rufen zur Vernunft auf. Das beginnt ja schon bei der Schöpfungsgeschichte mit Adam und Eva, deren schlimme "Sünde" es war Gott nicht blind zu gehorchen und vom Baum der Erkenntnis zu naschen. Der feste Glaube an Jesus ist die Kardinaltugend im Neuen Testament, ebenso im Koran der Glaube an die Offenbarung Mohammeds. Natürlich gibt es viele Moslems oder Christen, die unter dem Einfluss der Aufklärung und des säkulären Humanismus stehe und die sich aus ihrer Religion nur die Filetstücke herauspicken. Es gibt sicher auch einen Interpretationsspielraum, was die alten Texte unklarer Autorenschaft betrifft. Daraus kann man aber keineswegs schließen, dass diese religiösen Lehren das kritische Hinterfragen und selbstständige Denken fördern - das ist ganz sicher nicht der Fall! Ideologiekritik generell und Islamkritik im Speziellen sind unverzichtbar für die Weiterentwicklung der Gesellschaft und haben nichts mit Rassismus zu tun. Wenn eine Frau ohne jede Kompromissbereitschaft überall im öffentlichen Leben Kopftuch tragen will, ist das hochgradig dogmatisch. Kritische Selbstreflexion wäre da weit angebrachter, wie es mit der eigenen Offenheit und Flexibilät eigentlich wirklich steht, anstatt ständig mit dem Finger auf andere zu zeigen und über eine vermeintliche Diskriminierung zu jammern.
29.04.16
9:43
Manuel sagt:
@Andreas: Ihre Beleidigungen können Sie sparen, aber Sie bestätigen nur was ich vorher geschrieben habe, jeder der den Islam kritisiert, ist in Ihrem simplen-naiven Weltbild ein Hetzer, typische Reaktion, zu einer kritischen Diskussion sind Sie, genauso wie Ihre erzkonservativen Freunde aus den Islam-Verbänden offenbar nicht bereit. Der Islam darf ja auch keinen Fall nur irgendwie kritisch hinterfragt werden. Alice Schwarzer ist wahrscheinlich auch noch eine böse Hetzerin, weil sie genauso wie ich das Kopftuch kritisiert.
29.04.16
13:30