Österreich

Wahlsieg der islamfeindlichen FPÖ

Im ersten Präsidentschaftswahlgang in Österreich geht der Kandidat der rechtspopulistischen und islamfeindlichen FPÖ als Wahlsieger hervor. Die Stichwahl gegen den Grünen-Kandidaten findet im Mai statt.

25
04
2016
Österreichische Fahne
Symbolbild: Österreichische Fahne © by James Cridland auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

Die islamfeindlichen Rechtspopulisten der FPÖ haben in Österreich bei der Wahl zum Bundespräsidenten einen spektakulären Erfolg erzielt. FPÖ-Kandidat Norbert Hofer bekam am Sonntag nach einer Hochrechnung des Meinungsforschungsinstitutes Sora 35,4 Prozent der Stimmen und lag damit weit vor den anderen fünf Kandidaten. Es ist das bisher beste Ergebnis der FPÖ auf Bundesebene. Da der 45-Jährige die 50-Prozent-Hürde verfehlte, kommt es am 22. Mai zu einer Stichwahl zwischen ihm und dem zweitplatzierten Alexander Van der Bellen. Der 72-jährige Ex-Grünen-Chef erhielt laut Hochrechnung 21,3 Prozent der Stimmen. Die unabhängige Kandidatin Irmgard Griss (69) überzeugte 19 Prozent der Wähler.

Ein Debakel wurde die Wahl für die Bewerber der rot-schwarzen Regierung. Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und Andreas Khol (ÖVP) kamen auf jeweils nur rund elf Prozent. Damit steht fest, dass der nächste Bundespräsident erstmals nicht aus dem Lager der sozialdemokratischen SPÖ oder konservativen ÖVP kommt. Den Bauunternehmer Richard Lugner wählten 2,3 Prozent. Die Angaben beruhten auf 99,8 Prozent der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 68 Prozent.

Die FPÖ hatte unter dem europakritischen Slogan „Österreich zuerst“ Stimmung auch in der Flüchtlingsfrage gemacht. Außerdem polarisierte und hetzte er mit Aussagen wie „Ich will nicht, dass Österreich ein muslimisches Land wird“ und „Der Islam ist kein Teil von Österreich“. Die FPÖ machte schon in der Vergangenheit Schlagzeilen mit islam- und fremdenfeindlichen Slogans wie: „Daham statt Islam“ oder „Mehr Mut für unser Wiener Blut. Zu viel Fremdes tut niemandem Gut“.

Der FPÖ-Kandidat, ein gelernter Flugzeugtechniker, hatte sich zunächst für zu jung für eine Kandidatur gehalten. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache überredete den bisher eher unbekannten 45-Jährigen aber dann doch.

Der in den Umfragen hoch gehandelte ehemalige Grünen-Chef Van der Bellen blieb unter den Erwartungen. Der 72 Jahre alte Wirtschaftsprofessor war als unabhängiger Kandidat mit massiver Unterstützung der Grünen aufgetreten. Er gab sich aber zuversichtlich für die Stichwahl. „Jetzt werden die Karten neu gemischt.“

Am Sonntag waren 6,4 Millionen Österreicher ab 16 Jahren zur Wahl aufgerufen. Das Staatsoberhaupt wird für sechs Jahre gewählt und kann einmal wieder kandidieren. Amtsinhaber Heinz Fischer scheidet im Juli nach zwei Amtsperioden aus.(dpa/iQ)

Leserkommentare

Manuel sagt:
Jetzt mal unabhängig von der FPÖ, AfD, usw., ich glaube mal viele Menschen wollen in Europa nicht die islamische Gesellschaftsordnung, ist das so verwerflich?
25.04.16
13:19
Ute Fabel sagt:
Ich bin Österreicherin, habe am Sonntag Alexander Van der Bellen gewählt und werde das am 22.05.2016 in der Stichwahl wieder tun.Danach gefragt, ob das Ende des zweiten Weltkriegs am 8.5.1945 für ihn ein Grund zu feiern sei, lavierte der FPÖ-Kandidat Norbert Hofer herum und sprach dann nur von den "gefallenen Helden". Ein solcher Bewerber mit einem derartigen Weltbild ist für mich völlig unwählbar als Staatsoberhaupt. Norbert Hofer war aber - leider - im Wahlkampf der einzige, welche offensiv den türkischen Präsidenten Erdogan und seinen jüngsten Umgang mit der Medienfreiheit attackierte und die vor kurzem geäußerten Haremsphantasien seiner Frau auf Korn nahm. Was mich schmerzt ist, dass Mitte-Links-Poliker eine solche Beißhemmung haben, wenn es darum geht mit dem politischen, konservativen Islam - eine ebensfalls sehr rechte ideologische Strömung wie FPÖ und AfD- politisch anzugreifen. Meinem Favoriten Van der Bellen muss ich aber immerhin seine Ankündigung zu Gute halten, dass bei dem geplanten Staatsbesuch des iranischen Präsidenten Rouhani in Wien keine nackten Barockstatuen abgedeckt werden wie jüngst im Rom, sollte er Präsident werden.
26.04.16
7:40
Daray sagt:
Die Vergewaltigung einer Frau am Bahnhof Praterstern durch 3 minderjährige afghanische Asylwerber mobilisiert viele FPÖ Wähler. In vergleichbaren Fällen kamen die Täter mit 20 Monaten Haft davon.
26.04.16
8:36
Andreas sagt:
Was die vielen Menschen in Europa nicht wollen ist der vermeintliche Islam, wie von Islamfeinden und Islamisten hoch und runter gebetet wird. Mit der Realität hat dieses Schreckensbild des Islam nichts zu tun. Auch werden Frauen nicht nur von Muslimen vergewaltigt. Es ist ein Mythos, dass muslimische Vergewaltiger eine geringere Strafe erhalten, als andere. Und ob ein Präsidentschaftskandidat gegen Erdogan und seine Ehefrau wettert, ist kein Qualitätsmerkmal.
26.04.16
11:51
Ute Fabel sagt:
Ich halte es für ein Qualitätsmerkmal, wenn sich Politiker klar negativ zu autoritären Entwicklungen äußern, die es leider in Ländern wie Polen, Ungarn, der Türkei und der Republikanischen Partei in den USA leider gibt. Es ist auch ein Qualitätsmerkmal, wenn sich Politiker negativ zum Rollenverständnis von Frau Erdogan von Frauen in der Gesellschaft äußern. Schade, dass das kein Politiker aus dem Mitte-Links-Spektrum mit mehr Nachdruck macht. Richtig ist, dass es glücklicherweise viele Taufscheinmuslime gibt, die die Glaubenslehren ihrer Religion nicht mehr wirklich ernst nehmen und sich nur einige Rosinen aus ihr herauspicken und den umfangreichen Ballast aus dem Koran links liegen lassen - die sind wirklich kein Schreckensbild. Allerdings fällt mir kein Land der Welt ein, wo eine Regierung, die sich auf den Islam beruft, etwas in eine Richtung bewegt hat, die mir gefällt. Die nordeuropäischen Länder gefallen mir noch am besten, dort sind alle Religionen ziemlich im Out und das ist gut so.
26.04.16
20:43