Niedersachsen

Keine schulischen Gebetsräume für Muslime

Der geplante Staatsvertrag des Landes Niedersachsen mit den islamischen Religionsgemeinschaften sieht keine Einrichtung von islamischen Gebetsräumen an öffentlichen Schulen vor.

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2015
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Symbolbild: Gebetsteppich - Im Ramadan widmen sich Muslime verstärkt den gottesdienstlichen Handlungen © by Belal Khan auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

Der geplante Staatsvertrag Niedersachsens mit muslimischen Verbänden sieht nach den Worten von SPD-Fraktionschefin Johanne Modder keine Einrichtung schulischer Gebetsräume für Muslime vor. „Wir werden keine Gebetsräume für Muslime an öffentlichen Schulen bekommen“, sagte Modder am Donnerstag. Der Vertragsentwurf spreche lediglich von „Gebetsmöglichkeiten“. Dies könne etwa ein „Raum der Stille“ sein, der aber allen offenstehen solle.

„Einen Gebetsraum nur für Muslime einzurichten war noch nie Thema in der SPD-Landtagsfraktion, und das ist vor allem auch nicht Gegenstand des Vertragsentwurfes“, betonte Modder. Dies sei „bei manchen falsch kolportiert“ worden. Vor allem die Opposition aus CDU und FDP hatte Bedenken gegen die Verträge geäußert, die die rot-grüne Landesregierung mit der islamischen Religionsgemeinschaft Ditib, dem Landesverband der Muslime (Schura) und den alevitischen Gemeinden abschließen will. In Niedersachsen leben rund 250.000 Muslime. Staatsverträge mit muslimischen Gemeinschaften gibt es bisher in Hamburg und Bremen.

Ursprünglich hatte Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) den Staatsvertrag mit islamischen Religionsgemeinschaften bereits Anfang des Jahres unterzeichnen wollen; zuletzt war von einer Unterzeichnung bis Ende des Jahres die Rede. Modder rechnet jetzt in einem Vierteljahr mit dem Vollzug.

Bei der geplanten Vereinbarung geht es laut Kultusministerium etwa um muslimische Seelsorge im Justizvollzug, das Bestattungswesen, die Feiertagsregelung sowie die Teilnahme islamischer Religionsgemeinschaften an Gremien wie beispielsweise dem Landesjugendhilfeausschuss oder dem Landesschulbeirat.(KNA/iQ)

Leserkommentare

Ute Fabel sagt:
Die Trennung von Staat und Religion und die staatliche religiöse und weltanschauliche Neutralität sind ernst zu nehmen und weiter zu entwickeln anstatt zurückzuschrauben. Weder christliche noch muslimische Gebetsräume gehören daher in öffenlichen Schulen. Räume der Stille, die keiner bestimmten Religion und Weltanschuung gewidmet werden, sind daher der ganz richtige Weg.
15.12.15
11:26
Enail sagt:
Da kann ich meiner Vorrednerin nur zustimmen. Ich kenne keine Schule, die irgendeine Kirche oder dergleichen hat. Ständig werden nur Forderungen laut und dann ist man beleidigt wie ein kleines Kind, wenn dem Willen nicht entsprochen wird. Bei uns leben ca. 5% Muslime, ca 30% Katholiken und nochmals etwas mehr als 30% Evangelische Christen. Wie viele Juden in Deutschland leben, kann ich nicht sagen. Doch nie habe ich von einer Religionsgemeinschaft die Forderung gehört, dass Gebets-räume eingerichtet werden sollten. Warum müssen sich Muslime immer in den Vordergrund stellen. Ich werde es wahrscheinlich nie nachvollziehen können. Ich vermute, es ist eine Erklärung für mich, dass Muslime einfach denken, dass ihre Religion die einzige Richtige ist und sie deshalb das Recht haben, Forderungen zu stellen, um auf ihre Religion in der Öffentlichkeit aufmerksam zu machen. Auf solche Ideen, Gebets-räume in Schulen einzurichten, muss man wirklich erst mal kommen.
22.12.15
2:20
ulrike bahr sagt:
Der Kostenfaktor, der Sonderstatus sowie die Betonung einer Religion in einer weitestgehend säkularisierten Gesellschaft stehen gegen eine solche Forderung. Zudem zöge die Einrichtung eines derartigen Raumes weitere Konsequenzen nach sich. Soll z.B. zukünftig auch jede Firma, in der ein Moslem Arbeit findet, verpflichtet werden, einen Gebetsraum einzurichten? Unsere Liberalität geht wirklich zu weit, wenn wir so eine Forderung auch nur diskutieren. Muslime, deren Fortschrittlichkeit soweit geht, dass sie glauben, sie seien verdammt, hielten sie bestimmt Gebetszeiten nicht ein, können wir in einer offenen Gesellschaft kaum gebrauchen. Und es sollte uns zudem daran liegen, unsere Werte zu verteidigen und Religion und Staat strikt zu trennen. Schade, dass unsere Politiker, so fern ab von jeder Realität, nicht begreifen, wie sehr sie mir solchen Diskussionen einen Rechtsruck der Gesellschaft befördern. Der sogenannte Raum der Stille ist doch ein Absurdum in sich. Welcher Christ würde sich schon neben einen Moslem setzen oder knien, um zu beten oder wer möchte einen Raum der Stille aufsuchen, um zu meditieren vis a vis mit betenden Moslems? Das wird de facto nicht passieren. Der Raum der Stille wird ein Gebetsraum sein und damit wird die Religion des Islams offiziell in die öffentlichen Institutionen Einzug halten.. Nur der Name wird Wertevielfalt symbolisieren, aber der Inhalt wird ein anderer sein. Wieder ein Etikett mehr in unserer Gesellschaft und die Politiker befördern es - blind wie häufig. Unglaublich und völlig unverständlich. Und im Übrigen, wer soll in diesen geplanten Räumen der Stille die Aufsicht führen??? Lehrer??? Ich persönlich werde mich weigern, denn ich halte mich für einen aufgeklärten Menschen. Ich werde meinerseits nicht abrücken von der Trennung von Staat und Kirche und das Rad der Geschichte rückwärts drehen helfen, egal unter welchem Etikett dies doch offenbar versucht wird.
15.12.16
17:46