Islamfeindlichkeit

Trump lässt US-Muslime um Sicherheit fürchten

Seit dem Terroranschlag von San Bernardino fürchten auch US-Muslime um ihre Sicherheit. Die Hetze des republikanischen Spitzenreiters im Feld der Präsidentschaftsbewerber, Donald Trump, heizt die Stimmung weiter an.

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12
2015
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USA
USA © by 白士 李 auf Flickr (CC BY 2.0), bearbeitet islamiQ

Marwan Kreidie hat nur Gutes über die Nachbarn der Moschee der „Al-Aqsa Islamic Society“ zu sagen. Entlang der Germantown Avenue in Philadelphia leben Menschen verschiedener Herkunft und Religion weitgehend unproblematisch zusammen. Umso mehr schockte Kreidie und seine islamische Gemeinde, was sie am Dienstag morgen vor dem Eingang der Moschee fanden: einen abgeschnittenen Schweinskopf. Für den Sprecher der „Al-Aqsa Islamic Society“ ist das kein Zufall. „Worte haben Konsequenzen“, meint Kreidie. Für ihn ist der Vorfall die direkte Konsequenz aus der Hetze des Spitzenreiters im Feld der republikanischen Bewerber um die Präsidentschaft-Nominierung, Donald Trump.

Trump hatte am Montag ein „totales und vollständiges Einreiseverbot“ für Muslime in die USA gefordert – „bis die Vertreter unseres Landes herausgefunden haben, was vor sich geht“. Auf einer Kundgebung in Charleston im US-Bundesstaat South Carolina fügte er unter dem tosenden Applaus seiner Anhänger hinzu: „Wir haben keine Wahl. Wir haben keine Wahl.“ Kurz darauf landete der Schweinskopf vor der Tür der Moschee in Philadelphia. Hunderte Kilometer entfernt in Grand Forks im Bundesstaat North Dakota zerstörte am frühen Dienstagmorgen ein Feuer das somalische „Juba Coffee House“. Das populäre Restaurant war vorher bereits mit „SS“-Runen verunziert worden.

Atmosphäre zwischen Hysterie und Angst

Im vornehmen Palm Beach im US-Bundesstaat Florida randalierten Unbekannte in einem muslimischen Gebetsraum. „Es ist so schlimm wie seit den Tagen nach dem 11. September nicht mehr“, klagt Ibrahim Cooper, Sprecher der Dachorganisation der Muslime in den USA „CAIR“ über das Klima seit den Anschlägen von Paris und San Bernardino. „Wir bewegen uns in einer Atmosphäre zwischen Hysterie und Angst.“ Tatsächlich ist es nicht nur Trump, der das Misstrauen schürt. Schon zuvor hatte er ein Muslimen-Register und die Überwachung der Moscheen gefordert. Auch die anderen republikanischen Bewerber äußerten sich ähnlich.

Jeb Bush schlug einen Religionstest für die Aufnahme von Flüchtlingen aus Syrien vor. Marco Rubio will überhaupt niemanden aus dem Mittleren Osten mehr aufnehmen. Ben Carson lehnt einen Muslim im Präsidentenamt ab, und Ted Cruz lässt keine Gelegenheit aus, vor den Gefahren eines gewaltbereiten Islam zu warnen. Hinzu kommen Umfragen, die erklären, warum Trumps Stimmungsmache auf fruchtbaren Boden fällt. Das Meinungsforschungsinstitut PPP veröffentlichte im September Zahlen, die zeigen, dass 30 Prozent der Republikaner den Islam verbieten wollen. Die Demoskopen von „YouGov“ fanden im November heraus, dass 49 Prozent der Republikaner Trumps Vorschlag unterstützen, Muslime in einer Datenbank zu erfassen. Das löst bei vielen Muslimen Verunsicherung aus. Ein Zentrum anti-muslimischen Aktivismus ist der Großraum Dallas im US-Bundesstaat Texas.

Vergangenen Monat patrouillierten vor dem Islamischen Zentrum von Irving bis an die Zähne bewaffnete Milizionäre. Vertreter der großen Religions-Gemeinschaften in den USA erklärten ihre Solidarität mit den Muslimen. „Jeder, der sich nur ein Iota für die Freiheit von Religion interessiert, muss diese unverantwortliche Demagogie zurückweisen“, bringt Russell Moore von den Southern Baptist – der größten protestantischen Kirche in den USA – die Kritik an Trump und Co auf den Punkt. Die Regierung tut ihren Teil. Nachdem Präsident Barack Obama in einer Rede an die US-Amerikaner am Sonntag davor gewarnt hatte, sich nicht gegeneinander aufhetzen zu lassen, besuchte sein Heimatschutz-Minister Jeh Johnson Anfang der Woche demonstrativ eine Moschee in Sterling in Virginia. Johnson sprach sich gegen jede Diskriminierung von Muslimen in den USA aus. Gleichzeitig bat er die Gemeinde um Unterstützung im Kampf gegen den Terror. „Helfen Sie uns, den gewalttätigen Extremismus zu stoppen.“ (KNA)