Migrationshintergrund

Kultursensible Pflege ist erwünscht

Für viele Migranten im Alter ist es in ihrer Pflege wichtig, dass ihre Pflegekraft die selbe Sprache spricht und kultursensibel ist. Vor allem muslimische Frauen wünschen sich, von einer Frau gepflegt zu werden.

20
11
2015
0
Senioren brauchen sensible Pflege © E-Plus Gruppe Fotostream auf flickr, bearbeitet by IslamiQ.

Menschen mit Migrationshintergrund legen mit Blick auf das Alter mehr Wert auf eine Pflegerkraft mit der selben Muttersprache und Religion. Zu diesem Ergebnis kommt eine am Dienstag in Berlin veröffentlichte Analyse des Forschungsbereichs beim Sachverständigenrat deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR). Demnach wünschen sich dreimal so viele Muslime (27 Prozent) eine Pflegekraft mit gleicher Religionszugehörigkeit wie christliche Befragte (9 Prozent). Nach Schätzungen wird die Zahl der Pflegebedürftigen mit Migrationshintergrund von 258.000 im Jahr 2013 auf 481.000 im Jahr 2030 anwachsen. „In der Alten- und der Palliativpflege geht es um humanes Altern und Sterben. Hier haben Menschen unterschiedlicher Herkunft zum Teil auch unterschiedliche Bedürfnisse“, erklärte die Direktorin des SVR-Forschungsbereichs, Cornelia Schu.

Zwar sind laut der Untersuchung die Pflegeerwartungen grundsätzlich ähnlich und relativ unabhängig von Religion und Kultur, es gebe aber Aspekte, die bei einer kultursensiblen Pflege berücksichtigt werden sollten. So finden jeder vierte Spätaussiedler oder Aussiedler (25 Prozent) und die Hälfte der Türkischstämmigen (51 Prozent) es wichtig, dass die Pflegekraft die Muttersprache spricht. Für die weite Mehrheit der Befragten ohne Migrationshintergrund (91 Prozent) ist es wichtig, dass die Pflegekraft gut Deutsch spricht. Auch das Geschlecht spielt bei der Pflege je nach Religion eine unterschiedliche Rolle.

Rund 74 Prozent der muslimischen Frauen möchten von einer Frau gepflegt werden, bei den christlichen Frauen sind es 51 Prozent. Bei denjenigen, die keiner Religionsgemeinschaft angehören, ist es jede Dritte. Forscherin Schu appellierte an Wohlfahrtsverbände und Krankenhausträger, die kultursensible Pflege stärker auszubauen. Es gebe viele Ansätze, diese seien jedoch nicht breit genug verankert. Besonders Wünsche von Muslimen sollten stärker berücksichtigt werden. Auch brauche es weitere Forschungen zu den Vorstellungen der Pflege im Alter. Die Erhebung ist eine Zusatzauswertung des repräsentativen SVR-Integrationsbarometers. Hierfür wurden bundesweit 5.396 Personen befragt. Darunter waren 1.333 Personen ohne Migrationshintergrund, 999 Spätaussiedler oder Aussiedler, 1.003 Türkeistämmige, 1.037 EU-Zuwanderer samt Nachkommen sowie 1.024 Personen mit einem Migrationshintergrund aus der „übrigen Welt“. (KNA,iQ)