Forscher

Menschlicher Umgang wird wichtiger

Nach Ansicht des Zukunftforschers Horst Opaschowski werden in Zukunft soziale Konflikte als bedrohlicher angesehen, als ökonomische Probleme wie Armut und Arbeitslosigkeit. Das treffe auch auf das Zusammenleben von Menschen mit unterschiedlichen religiösen Ansichten zu.

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2015
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Symbolbild: Migration© Kashfi Halford auf Flickr, bearbeitet Islami-Q

Der Zuzug Hunderttausender Flüchtlinge wird nach Meinung des Zukunftsforschers Horst Opaschowski die Wertehierarchie der Deutschen grundlegend verändern. „Konservative Werte kommen wieder“, sagte Opaschowski am Mittwoch im Deutschlandradio Kultur. Nicht mehr das Ego oder die Selbstverwirklichung stünden künftig im Vordergrund, sondern der mitmenschliche Umgang. Das Schlagwort der 68er Jahre „Emanzipation“ werde durch „Konvention“ und Werte wie Ehrlichkeit, Anstand und richtiges Benehmen ersetzt. Ökologische Fragen würden künftig zweitrangig.

Zugleich ändert sich nach Einschätzung des Zukunftsforschers die Angstskala der Deutschen. Soziale Konflikte würden als bedrohlicher angesehen als ökonomische Probleme wie Armut und Arbeitslosigkeit. „Wir können jetzt schon nachweisen, dass sehr starke Konflikte zwischen Einheimischen, Ausländern, Christen, Muslimen befürchtet werden, die als sozialer Zündstoff für die Zukunft folgenreicher eingeschätzt wird als etwa die Kluft zwischen Arm und Reich“, sagte er. Der Politik wirft Opaschowski Zukunftsblindheit vor. Sie reagiere in der aktuellen Situation hektisch und wie eine Getriebene.

Dabei sei schon seit Jahrzehnten absehbar gewesen, dass es wegen der großen Unterschiede zwischen Arm und Reich zu weltweiten Wanderungsbewegungen kommen werde. Der Zukunftsforscher forderte eine soziale Vision für die nächsten 10 bis 15 Jahre. „Wir brauchen einen Deutschland-Plan, einen Perspektiv-Plan, der konkrete Angaben darüber macht, wie wir in Zukunft leben wollen.“ Ganz oben müsse dabei das Ziel eines „guten Zusammenlebens“ stehen, nicht das „immer mehr haben“. „Wir müssen uns auf eine Gemeinschaft auf Gegenseitigkeit einstellen, wo wir voneinander lernen und auch teilweise, eben gerade im Wirtschaftsbereich, voneinander profitieren können.“ (KNA,iQ)