Hinz und Kunst

„Meine Religion ist mein Herz“

„Die Kunst ist frei“. Frei von Debatten und Grenzen. Künstler mit muslimischem Migrationshintergrund nutzen diese Freiheit und zeigen deutlich: Wir gehören zu Deutschland. Heute der Comedian Özcan Coşar.

11
10
2015
Der Comedian Özcan Coşar. © Fatih Iltas

1. Kannst Du Dich vorstellen?

Ich bin Özcan Coşar, lebe schon seit 34 Jahren auf der Erde und bin Comedian.

2. Was möchtest Du mit deiner Arbeit bewirken?

Ich möchte, dass die Menschen lachen.

3. Ist Dir Dein kultureller und/oder religiöser Background wichtig?

Die deutsch-türkische Kultur ist mein Körper und meine Religion ist mein Herz.

4. Wie stark beeinflusst Dein Background Dein künstlerisches Schaffen?

Ich erzähle in meinen Shows aus meinen Leben. Sachen, die ich erlebt habe oder die mich beschäftigen, daher ist mein Background ein Teil davon.

5. Studien attestieren eine steigende anti-islamische Stimmung in Europa. Bist Du persönlich Diskriminierungen dieser Art ausgesetzt?

Ja klar, aber so etwas muss an einem abprallen. Es gibt unendlich viele Menschen in Europa, die mit uns Muslimen herzlich zusammen leben. Ich konzentriere mich lieber auf diese Menschen.

6. Denkst Du, dass der Islam zu Deutschland gehört? Wieso?

Rechenaufgabe:
Özcan lebt in Deutschland. Özcan ist Muslim. Ein Muslim ist jemand der den Islam lebt. Bitte errechne, ob der Islam zu Deutschland gehört.

Deutschland + Özcan + Islam = Ja, der Islam gehört zu Deutschland 😉

Leserkommentare

Heinz Hertlein sagt:
Es kommt nicht drauf an, wer rechnet, sondern es stellt sich die Frage, ob der Islam eine Lebensphilosophie ist (weil Özcan ihn lebt) oder eine religiöse Lehre mit Wahrheitsanspruch und Absolutheitsanspruch. Zweites polarisiert. Es scheint allerdings auch viele nicht zu stören, dass die christlichen Religionsgemeinschaften mit ihrem Wahrheitsanspruch und Absolutheitsanspruch keine Kulturpflegevereine sind, wenn wieder einmal in unserem Lande auf die ach so bedeutende jüdisch-christliche Kultur verwiesen wird, um zu begründen, dass das Christentum und das Judentum zu Deutschland gehören soll, möglicherweise sogar zweifelsfrei zu Deutschland gehören soll. Es gibt nun mal keine einzig wahre Kultur. Aber die Kulturgläubigen, ein wenig Religionsschwangeren stört es nicht, wenn mal wieder von der kulturellen Bedeutung von einzig wahren Religionen geschwärmt wird. Es fällt ihnen nicht auf, dass da einiges nicht stimmt. Özcan Coşar hat übrigens recht: Religion ist eine Herzensangelegenheit, auf die zwar nicht alle Verliebten, aber die weltlichen Stellvertreter der Religionsgemeinschaften, einen absoluten Wahrheitsanspruch erheben. Und Liebe macht bekanntlich blind. Zumindest für die ganz gewöhnliche objektive Wahrheit. Liebe ist Ideologie! Man kann sich darauf einlassen, wenn man sich bewusst ist, was man macht. Die einzig wahre Liebe ist - und leider ist es notwendig, darauf hinzuweisen, immer wieder - Privatsache, keine absolute allgemeingültige Wahrheit.
12.10.15
17:53
Charley sagt:
Ein sympathischer Mensch, dieser Öcan Cosar. Dass seine "Religion" sein "Herz" ist, ist zunächst einmal sympathisch. Inwiefern diese Freiheit der Herzenskultur belebt oder eingeschränkt wird durch seinen (!) "Islam", wäre detailiert interessant! @Heinz Hertlein: Liebe ist die einzige Art, aus dem subjektiven Ego heraus zu kommen. Jedes Evidenzerlebnis (und darauf ruht letztlich alle Erkenntnis) lebt aus der Liebe, wenn man ihre geistige Natur (!) erkennt. Die Liebe ist keine "Wahrheit", sondern eine Wirk-lichkeit, eine Existenzform des Menschen. Sie schafft aber Wahrheiten, die ohne sie nur vielleicht "Richtigkeiten" sind. Eine christliche-jüdische Kultur gibt es nicht mehr, es sind vielleicht die Wurzeln, aber die Kultur des Abendlandes geht aus der Aufklärung hervor, die selbst die Religionskultur überwunden und in die Folklore-Ecke verwiesen hat. Maßgeblich kann letztlich nur noch das authentisch Menschliche sein, und das beruht nun mal auf dieser besonderen Herzenskraft, die jeder, der sie kennt als zweierlei bezeichnet: Erstens als das, was er ist ("sein"), wenn überhaupt etwas, und zweitens als eine Kraft, die er selbst als viel größer empfindet, als er sich selbst. Dazu könnte man die großen maßgeblichen, Fundament gebenden Philosphen der Neuzeit zitieren. Diese Kraft wird dann plötzlich als Basis alles Lebens in vielen (allen?) Religionen erkannt. In seiner Universalität formuliert das NT es so: Meister, welches ist das höchste Gebot im Gesetz? Jesus aber antwortete ihm: »Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und von ganzem Gemüt« (5.Mose 6,5). Dies ist das höchste und größte Gebot. Das andere aber ist dem gleich: »Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst« (3.Mose 19,18). In diesen beiden Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten. In diesen 3 Liebesgeboten (gegenüber Gott/den Idealen, dem Mitmenschen, sich selbst gegenüber) entfaltet sich das Menschsein! Kennt Mohammed den letzten Satz Jesu?? :-))
09.12.15
18:26