Interview

„Wissen, Haltung und Handeln“

Die Hochschulen in Köln bieten ab nächstes Jahr den berufsbegleitenden Masterstudiengang „Interreligiöse Dialogkompetenz“ an. Wir sprachen mit dem Theologen Thomas Lemmen über die Inhalte und Ziele des Studiengangs.

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08
2015
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Universität zu Köln © by Tim Bartel auf flickr.com (CC BY 2.0),

IslamiQ: Ab nächstem Jahr gibt es die Möglichkeit, den Studiengang Interreligiöse Dialogkompetenz in Köln zu studieren. Warum ist die Entwicklung eines solchen Studiengangs notwendig?

Thomas Lemmen: Religiöse Vielfalt ist ein Kennzeichen moderner Gesellschaften. Um diese Vielfalt positiv gestalten zu können, bedarf es bestimmter Kenntnisse und Kompetenzen. Dazu muss man etwas voneinander wissen, aber man muss auch im eigenen Glauben sprachfähig sein. Weil es nicht nur um die Theorie, sondern auch um die Praxis geht, sollte man gemeinsames Handeln erlernen. Diese drei Kompetenzen – Wissen, Haltung und Handeln – will der Masterstudiengang „Interreligiöse Dialogkompetenz“ vermitteln. Er richtet sich an alle, die beruflich mit Menschen anderer Religionen zu tun haben. Zielgruppe sind daher Mitarbeitende aus Sozialer Arbeit, Caritas und Bildung, aber auch aus Gesundheitswesen, Verwaltung und Wirtschaft.

IslamiQ: Würden Sie das Studium auch Muslimen empfehlen?

Lemmen: Ich würde das Studium allen empfehlen, die mit Menschen anderer Religionen und Kulturen zusammenarbeiten und sich in diesem Bereich qualifizieren wollen. Selbstverständlich kann ich das Studium auch Musliminnen und Muslimen empfehlen. Für den Studiengang wünsche ich mir, dass sich möglichst viele Menschen unterschiedlicher Religionen bewerben. Das Lernen in einer interreligiösen Gruppe ist immer ein Vorteil.

IslamiQ: Es soll auch Wissen über den Islam vermittelt werden. Was darf man sich darunter vorstellen?

Lemmen: Im Rahmen des Studiums werden Grundlagen muslimischen Glaubens und Lebens vermittelt. Schwerpunkt sind dabei die Fragen, die sich im Alltag des Miteinanders ergeben können. So sollten sich Mitarbeitende in Kindertagesstätten oder Jugendeinrichtungen im religiösen Leben von Muslimen auskennen, um im Alltag der Einrichtung darauf eingehen zu können. Vor allem wird es darum gehen, interreligiöses Lernen und Handeln zu entwickeln und zu fördern. Es sind auch Besuche in Moscheen und Begegnungen mit Muslimen vorgesehen. Wesentlich geht es um Fragen muslimischen Lebens in Deutschland und um die Gestaltung des Miteinanders in einer multireligiösen Gesellschaft. Die Grundlagen zum Islam (wie zu anderen Religionen) sind wichtige Voraussetzungen, um den interreligiösen Dialog und das Zusammenleben gestalten zu können.

IslamiQ: Ist bei der Vermittlung der Inhalte über den Islam eine Zusammenarbeit mit den islamischen Religionsgemeinschaften geplant?

Lemmen: Es ist vorgesehen, muslimische Dozentinnen und Dozenten zu den jeweiligen Lerneinheiten einzubeziehen. Ferner sind auch bestimmte Lerneinheiten in Moscheen und muslimischen Einrichtungen geplant.