Stuttgart

Moschee bleibt im Gewerbegebiet

Eigentlich wollten Stuttgarts Muslime endlich raus aus Hinterhöfen und Gewerbegebieten. Doch der Traum einer großen Moschee im Stadtzentrum ist so gut wie ausgeträumt. Das Talkessel ist schlicht zu teuer.

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08
2015
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Symbolbild: Gebetsräume, Muslime, Islam
Symbolbild: Gebetsräume, Moschee © by Beryl Mc Millan auf Flickr (CC BY-SA 2.0), bearbeitet islamiQ

Der Bau einer großen Moschee im repräsentativen Stuttgarter Stadtzentrum ist quasi vom Tisch. Der aktuell laufende Architekten-Wettstreit für das Gebetshaus beziehe sich allein auf ein Gelände in einem Gewerbegebiet im Stadtteil Feuerbach, bestätigte der Vorsitzende der Moschee-Gemeinde Yeni Camii, Ismail Cakir. Man konzentriere sich auf den Standort der bisherigen Moschee. Obwohl die Zusammenarbeit mit der Stadt gut sei, führe die Suche nach einem Bauplatz im Zentrum nicht weiter. „Zu teuer“, sagte Cakir. Zudem kämen dort zu wenige Grundstücke für einen solchen Bau infrage.

Was die türkisch-islamische Union DITIB investieren kann und möchte, ist bisher nicht bekannt. „Fragen Sie Mitte September noch mal nach“, sagte Cakir. Geplant sei eine Moschee für 1500 bis 2000 Menschen. Wichtig seien auch weitere Verwaltungs- und Vereinsräume sowie eventuell ein Seniorenheim. Zwei Architekten hätten bereits ihre Planung abgegeben, berichtete Cakir. Es brauche bei einem so großen Vorhaben aber noch mindestens zwei, drei Weitere. Nach der Sommerpause sehe man klarer.

Die bisherige Moschee befindet sich in einem etwas tristen, eingeschossigen Gewerbebau, mitten in Klein-Istanbul, wie das nach und nach gewachsene türkisch-islamische Zentrum entlang der Mauserstraße in Feuerbach auch genannt wird. Bäckereien gibt es, Restaurants, Reisebüros, diverse Läden. Stuttgarts erstes Minarett – rund 15 Meter hoch – wurde aber Anfang des Jahres auf der anderen Seite der Landeshauptstadt im Stadtteil Wangen errichtet.

Moscheebauten sorgen immer mal wieder für Diskussionen im Land. Kaum eine Kommune tut sich leicht damit. In Bretten (Kreis Karlsruhe) etwa gab die Stadt nach monatelangen Querelen einen neuen Standort für den Neubau einer Moschee für 800 Gläubige vor. Der Entwurf für das Gebetshaus war nach heftiger Kritik deutlich modernisiert worden: mit nur einem Minarett, flacherer Kuppel, eckigen Fenstern. „Die Menschen wollen das Fremdartige in ihrem Alltag nicht sehen, sie wollen keine Berührungspunkte“, sagte Oberbürgermeister Martin Wolff damals.

Bundesweit bekannt ist der teils massive Protest von Islamgegnern gegen die neue DITIB-Zentralmoschee in Köln, samt eines gescheiterten Bürgerbegehrens. Jeglicher Debatte vorbeugend machte Stuttgarts Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) von Anfang an klar: Er versteht den Wunsch nach einer repräsentativen Moschee und unterstützt ihn nach Kräften – schließlich lebten rund 65 000 Muslime in der Landeshauptstadt, was mehr als zehn Prozent der Bevölkerung seien. Für Gespräche mit der islamischen Gemeinde sei die Stadt jederzeit offen – was Moschee-Chef Ismail Cakir auch so bestätigt. (dpa)