Nachgefragt

Nicht immer „die mit dem Kopftuch“

Autoren schreiben problemlos hunderte Seiten, doch was passiert wenn sie ihr Buch auf seine Essenz herunterbrechen müssen? Unsere Serie „Nachgefragt“ liefert Antworten und stellt sowohl Buch, als auch den Autor dahinter vor. Heute mit Fereshta Ludin.

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2015
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Hintergrundinformation: „Ein pauschales Kopftuchverbot für Lehrkräfte in öffentlichen Schulen ist mit der Verfassung nicht vereinbar.“ Dieses Urteil des Bundesverfassungsgerichts sorgt seit seiner Verkündung im März 2015 für eine hitzige Debatte. Kurz danach legt Fereshta Ludin ihre Autobiografie „Enthüllung der Fereshta Ludin. Die mit dem Kopftuch“ vor. 2003 hat sie um ihr Recht, als Lehrerin ein Kopftuch zu tragen, gekämpft.

Wem würden Sie ihr Buch gerne schenken und warum?

Ich würde es Menschen schenken, die sonst nicht die Gelegenheit haben, Einblicke in die Gedanken- und Lebenswelt einer muslimischen Frau zu erhalten. Junge und ältere Menschen, die gerne wissen wollen, wie sich muslimisches Leben hier in Deutschland anfühlt.

Warum ist die Thematik Ihres Buches im Lichte aktueller Debatten wichtig?

Sie ist wichtig, weil wir seit so vielen Jahren über den Umgang mit dem „Anderen“, der „Fremdheit“, und „Fremden Religionen oder Religiosität“ hier in Deutschland sprechen. Viele empfinden in Zusammenhang mit dem Islam eine Unsicherheit oder Angst, kennen aber gleichzeitig nicht die Sichtweise der Betroffenen. Das Buch nimmt den Leser an die Hand und zeigt die Gefühle und Gedanken einer betroffenen Frau.

„Beim Lesen guter Bücher wächst die Seele empor.“ Warum trifft dieses Zitat von Voltaire auf Ihr Buch zu?

(Lacht) Vielleicht, weil man ganz neue Seiten einer Person erlebt, die man bereits aus der Presse zu kennen glaubte. Und ich teile auch sehr offen meine Empfindungen in verschiedenen Situationen.

Fereshta Ludin
„Enthüllung der Fereshta Ludin. Die mit dem Kopftuch“
ISBN 9783943737219
Levante Verlag
2015

Ihr Buch in drei Wörtern zusammengefasst?

Menschlichkeit – Ideale – die spannenden Wendungen des Lebens.

Eine spezielle Frage für Sie: Das Kopftuch gilt in manchen Kreisen nach wie vor als Symbol der Unterdrückung und der Rückständigkeit, wie kamen Sie als gebildete Frau damit klar, dass diese Attribute Ihnen aufgrund eines Stück Stoffs zugeschrieben wurden?

Es ist an der Zeit, dass wir aufhören, muslimische Frauen in unsere Gesellschaft pauschal aufgrund ihres Glaubens und ihrer damit verbundenen Kleidung zu disqualifizieren. Ihre menschlichen und fachlichen Qualitäten sollten mehr im Vordergrund stehen, als dass man sie immer nur als „die mit dem Kopftuch“ betrachtet. Ich hoffe, dass immer mehr Menschen genauer hinschauen und die Frauen und deren Persönlichkeiten entdecken, die unter dem Kleidungsstück „Tuch“ stecken.