Hinz und Kunst

„Der Islam ist wesentlich größer als Deutschland“

„Die Kunst ist frei“. Frei von Grenzen und Debatten. Künstler mit muslimischem Migrationshintergrund nutzen die Freiheit und zeigen deutlich: Wir gehören zu Deutschland. Heute Prof. Rayan Abdullah.

24
03
2015
Rayan Abdullah Foto: Jörg Lange
Rayan Abdullah Foto: Jörg Lange

Können Sie sich bitte vorstellen?

Mein Name ist Prof. Rayan Abdullah. Ich bin Professor für Typografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig. Meine Leidenschaft sind Schrift, Typografie und Markenbildung. Im Rahmen meiner Arbeit bei der Agentur MetaDesign habe ich mich unter anderem um die Gestaltung der Marken VW und Bugatti sowie „die Marke Deutschland“ gekümmert, indem ich den Bundesadler re-designt und ihm „die Augen geöffnet habe“.

Was möchten Sie mit Ihrer Arbeit bewirken?

Im Vordergrund meiner Arbeit geht es darum, meinen Horizont und den Horizont anderer zu erweitern, eine Brücke zu anderen Kulturen zu schaffen und einen Dialog über Methodik herzustellen, um einen Erfahrungsaustausch zu ermöglichen.

Ist Ihnen Ihr kultureller und/oder religiöser Background wichtig?

Mein gestalterisches und künstlerisches Schaffen wird beeinflusst von meinem kulturellen Background aber auch von meiner Erfahrung in und Liebe zu Europa bzw. Deutschland. Farben, Formen, Bildsprache und Sound unterschiedlicher Kulturen beeinflussen mich sehr. Ich fühle mich als Mensch, der in zwei Welten lebt, zwei Welten näher bringt und sich für den Frieden in diesen zwei Welten sehr stark einsetzt.

Studien attestieren eine steigende antiislamische Stimmung in Europa. Sind Sie persönlich Diskriminierungen dieser Art ausgesetzt?

Seit 1980 lebe ich in Deutschland und habe viele persönliche Diskriminierungen erlebt. Traurigerweise stammen die schlimmsten davon von Akademikern und nicht von einfachen Menschen. Aber das stärkt meine Identität und gibt mir Halt und ich fühle mich mit meiner Haltung immer bestätigt.

Denken Sie, dass der Islam zu Deutschland gehört? Wieso?

Der Islam ist wesentlich größer als Deutschland. Hier geht es nicht darum, zwei Sachen zu verschachteln. Ich denke, wir Deutsche haben viel Platz in unseren Herzen für andere Menschen die zu uns kommen und das Land zusammen mit uns gestalten wollen. Ob sie dabei beten, in eine Kirche oder in eine Moschee gehen, das ist eine persönliche Entscheidung und dabei soll es auch bleiben.

Leserkommentare

Harald sagt:
Da ist sie wieder, die Arroganz und Überheblichkeit der Muslime! Was will der Mann mit seiner Aussage "Der Islam ist wesentlich größer als Deutschland" ausdrücken? In welcher Hinsicht ist der Islam größer als Deutschland?
25.03.15
11:58
David sagt:
,,Größer" in jeder Hinsicht ;=) Seit wann gibt es Deutschland als Nation, seit wann den Islam als Religion? Wieviele Deutsche, wieviele Muslime (weltweit!)? Was heißt es ,Deutscher' zu sein und was heißt es ein,Muslim' zu sein? Während die Bevölkerung in Deutschland schön langsam (spätestens in 3 Generationen) "altert" und im wahrsten Sinne des Wortes auszusterben droht, haben der Islam und die Muslime, insgesamt betrachtet, dieses Problem nicht! Deutschland wäre nicht Deutschland ohne seine MigrantInnen, insbesondere den muslimischen MigrantInnen - oder?? (...) Noch Beispiele gefällig?
25.03.15
20:57
Heinz Hertlein sagt:
"Ich denke, wir Deutsche haben viel Platz in unseren Herzen für andere Menschen die zu uns kommen und das Land zusammen mit uns gestalten wollen. Ob sie dabei beten, in eine Kirche oder in eine Moschee gehen, das ist eine persönliche Entscheidung und dabei soll es auch bleiben." So ist es. Genau dieser Pluralismus gehört zu Deutschland. Aber der Islam ist größer als Pluralismus.
26.03.15
10:59
Hans sagt:
Eine sehr unglückliche Aussage "Der Islam ist wesentlich größer als Deutschland" ! Es gibt für mich nur zwei Gründe, das so zu sagen. 1. Bewusste Provokation, um Aufmerksamkeit zu erregen, damit man gelesen wird. 2. Unüberlegt formuliert und nicht besonders klug gewählt. Sorry, Prof. :-( Das war suboptimal !
26.03.15
20:09
Roger sagt:
@ Harald: Es ist nicht gemeint, daß der Islam größer im Sinne von mächtiger "gegenüber" Deutschland ist. Gemeint ist, daß der Islam genau wie das Christentum und alle anderen Weltreligionen ein Teil von allen Ländern sind. Denn Religionen sind nicht gleich zu setzen mit Nationen. Sie sind übergreifend. Länder sind Teilmengen von Religionen. So ist Deutschland, wie auch alle anderen Länder eine Teilmenge des Islams, des Christentums und allen anderen Religionen oder Glaubensbekenntnissen. Deutsche sind historisch gesehen auch keine Christen. Arroganz? Offenheit!
26.03.15
22:06
Fritz sagt:
Herr Dr. Prof. Abdullah, ich würde es begrüßen wenn Sie noch kurz Stellung nehmen zu Ihrer Aussage "Der Islam ist größer als Deutschland", die bei einigen Lesern anscheinend wie ein Stachel wirkt. Gerade Sie sollten sich bewusst darüber sein, dass hier jedes Wörtlein auf die Waagschale gelegt wird - unabhängig davon ob es richtig oder falsch ist. Offene bzw. nicht kindgerecht erklärte Aussagen wie eben jene bergen daher auch immer ein Risiko infantiler Kritik. Natürlich sind (Welt-) Religionen größer als Nationen und sie werden wahrscheinlich jede Nation überdauern (bis auf den "Jüngsten Tag" liegt es einem auf der Zunge) - wirken sie ja nicht ausschließlich innerhalb der Landesgrenzen und nicht nur als Papier. Umso schöner finde ich Ihre Einstellung zu Deutschland. Hoffen wir, dass dieses Deutschland mit viel Platz im Herzen sich von der rassistischen Migrationsdebatte baldmöglichst verabschiedet und seinen Fokus auf die wahren Probleme und ihre Ursachen legt.
30.03.15
16:13
amelie sagt:
Guten Tag,
03.04.15
14:45
amelie sagt:
ich bin viel eher über einen anderen Satz 'gestolpert'. Inwieweit stärkt Diskriminierung die eigene Identität und gibt Halt? Das impliziert, dass man sich selber über andere stellt, und sich selbst für 'wertvoller' hält. In welcher Haltung fühlen Sie sich bestätigt ? Ich mag es falsch auslegen, aber auch hier bedeutet diese Formulierung für mich, dass diejenigen, welche sich nicht dem muslimischen Glauben zugehörig fühlen, schlechter sind als diejenigen, die diesen Glauben den Ihren nennen. Ist es nicht vielleicht jene Arroganz und Intoleranz in dieser 'Haltung', die eine Ablehnung schürt ? Toleranz ist in jeder Gemeinschaft eklatant wichtig für ein harmonisches Miteinander, aber es kann niemals eine Einbahnstraße sein, und sollte auch nicht instrumentalisiert werden.
03.04.15
14:56
amelie sagt:
.. zumal es einem Vergleich von Äpfeln und Birnen gleich kommt !??
03.04.15
15:15