Unterschriftensammlung

Kiel für mehr Gottesbezug

Ein Bündnis aus Religionen, Politik und Gesellschaft in Schleswig-Holstein hat eine Volksinitiative für die Aufnahme eines Gottesbezuges in die Landesverfassung gestartet. Vertreter der drei großen Weltreligionen gehören zu den Initiatoren.

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2015

In Kiel startet eine großflächige Volksinitiative, die einen stärkeren Gottesbezug im Landtag erzielen möchte. Zu den Initiatoren gehören neben den früheren Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen (CDU) und Björn Engholm (SPD) auch Vertreter des Erzbistums Hamburg, der evangelischen Nordkirche, der Islamischen Religionsgemeinschaft Schleswig-Holstein „Schura“ und des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden, wie die Volksinitiative Gottesbezug am Montag in Kiel mitteilte. Ziel ist die Sammlung von mindestens 20.000 Unterschriften, damit sich der Landtag erneut mit der Aufnahme eines Gottesbezuges befassen muss. Im Herbst hatte es dafür keine Mehrheit im Parlament gegeben.

„Bei menschlichen Übertreibungen brauchen wir etwas, das uns zur Vernunft zurückführt — etwas, das uns sagt, warum wir für Menschen aktiv sind“, teilte Fatih Mutlu, der Landesvorsitzende der Schura, der Presse mit. Denn vor Gott seien alle Menschen gleich und rund 70 Prozent von ihnen würden an einen Schöpfer glauben. Deshalb gehöre Gott in die Verfassung.

Religionsverbindendes und parteiübergreifendes Bündnis

Der evangelische Bischof Gothart Magaard zeigte sich erfreut, dass das Bündnis religionsverbindend, parteiübergreifend und bunt sei. Dies zeige, dass die Frage des Gottesbezuges von zentraler Bedeutung sei. Der Übergangsverwalter des Erzbistums Hamburg, Ansgar Thim, äußerte sich dankbar, „dass sich so viele Menschen mit beeindruckenden Worten zu ihrem Gottesbezug bekennen“. Die Initiative werde gewiss Spuren hinterlassen, so der katholische Pfarrer.
Die CDU in Schleswig-Holstein erklärte, es gehe den Befürwortern des Gottesbezuges nicht um einen bestimmten Glauben, sondern um eine „religionsübergreifende Demutsformel“. Jede politische Entscheidung müsse Werte zur Grundlage haben. „Uns allen tut es gut, unserer eigenen Fehlbarkeit immer wieder bewusst zu werden“, sagte Fraktionschef Daniel Günther. Begleitet wird die Initiative von der Kampagne „Für Gott in Schleswig-Holstein“, wie es hieß. Dadurch soll eine breite Diskussion darüber angestoßen werden, welche Bedeutung Gott und das Engagement gläubiger Menschen sowie religiöser Institutionen im nördlichsten Bundesland heute haben – auch für diejenigen, die nicht gläubig sind. Nordkirche und Erzbistum Hamburg sagten der Initiative eine personelle, inhaltliche und logistische Begleitung zu. (KNA/ iQ)

Leserkommentare

Atheist sagt:
“Bei menschlichen Übertreibungen brauchen wir etwas, das uns zur Vernunft zurückführt — etwas, das uns sagt, warum wir für Menschen aktiv sind”, teilte Fatih Mutlu, der Landesvorsitzende der Schura, der Presse mit. Denn vor Gott seien alle Menschen gleich und rund 70 Prozent von ihnen würden an einen Schöpfer glauben. Deshalb gehöre Gott in die Verfassung.
zitat
Mit anderen Worten Atheisten 30% haben keine Vernunft Bei menschlichen Übertreibungen - glaubt Fatih Mutlu das ?
04.03.15
15:10
Raimund sagt:
Jeder darf doch glauben, was er möchte. Das macht eine plurale Gesellschaft aus. Der Staat hat in diesem Zusammenhang neutral zu sein. Entsprechend kann es doch nicht sein, ein ein großer Teil der Gesellschaft plötzlich von den Religionsvertretern einen Gottesbezug in die Verfassung diktiert bekommt. Menschen, die an Gott glauben, können ihr Handeln doch wohl auch auf diesen Gott ausrichten, ohne dass dies in einer staatlichen Verfassung steht. Ein Gottesbezug in einer Verfassung wäre ein Rückschritt in die falsche Richtung, grenzt er letzlich diejenigen, die an keinen Gott glauben, bewußt aus der Gesellschaft aus.
05.03.15
16:52