Koordinationsrat der Muslime

Kein Hass und kein Unrecht im Namen des Islam

Mehr als 2.000 Gemeinden nahmen am Aktionstag „Muslime stehen auf gegen Hass und Unrecht“ des Koordinationsrates der Muslime (KRM) teil. Sie setzten damit ein Zeichen gegen Hass, Unrecht, Rassismus und Terrorismus. An den Veranstaltungen nahmen auch Gäste aus Politik und Gesellschaft teil.

19
09
2014

Die wichtigsten muslimischen Religionsgemeinschaften in Deutschland haben am Freitag mit einer bundesweiten Aktion gegen Rassismus und Terrorismus demonstriert. „Wir erleben, wie Menschen im Namen Allahs Grausamkeiten begehen, andere Menschen quälen, sie aus ihren Häusern vertreiben und ermorden. Sie handeln unter dem Banner des Propheten, zeigen mit ihren Verbrechen aber, dass sie kein Wort davon verstanden haben, was Allah uns offenbart hat“, erklärte der Koordinationsrat der Muslime (KRM) in einer Botschaft, die bundesweit verlesen wurde.

Der Dachverband der vier größten muslimischen Religionsgemeinschaften in Deutschland rief zu einem „friedvollen Miteinander“ auf. Nur gemeinsam könne gegen Hass, Zwietracht und gegen radikale Strömungen vorgegangen werden. „Wir wollen auch nicht schweigen, wenn hierzulande aus Rassismus Brandanschläge auf Moscheen und Synagogen verübt werden“, sagte der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek.

Tausende Menschen bei Aktion dabei

Rund 2.000 muslimische Gemeinden und mehrere Tausend Menschen in ganz Deutschland beteiligten sich nach Angaben der Veranstalter an dem Aktionstag. In neun ausgewählten Städten, darunter Berlin, Hannover und München, fanden im Anschluss an das muslimische Freitagsgebet Mahnwachen und Friedenskundgebungen mit Gästen aus Politik und Gesellschaft statt. Unter anderem nahm Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) in Hannover an der Mahnwache teil. SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi war neben Vertretern der Grünen und Linken bei der Berliner Kundgebung, zu der mehr als 1.000 Menschen gekommen waren.

Die Vizevorsitzende des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Claudia Lücking-Michel, begrüßte in Berlin die Aktion. „Es ist sehr gut, dass die muslimischen Verbände sich eindeutig vom Extremismus und Terrorismus distanzieren“, sagte sie. Gleichzeitig sei es wichtig, dass die Kirchen öffentlich machten, dass sie sich mit den Muslimen solidarisierten.

Schneider: Dankbar an die Muslime

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, zeigte sich als Gastredner in der Hauptstadt dankbar, dass die muslimischen Verbände sich so klar von jeglicher Form des Antisemitismus distanziert hätten. „Und ich bin Ihnen dankbar für die Klarheit, mit der Sie sich vom Terror des sogenannten Islamischen Staates in Syrien und im Irak distanzieren“, sagte Schneider. „Sie sagen ohne Wenn und Aber, dass Islam und Terror nicht zusammen passen“, fügte er hinzu und betonte unter Beifall: „und wir glauben ihnen das auch“. Zugleich appellierte Schneider an alle Glaubensgemeinschaften, künftig in einer gemeinsame Aktion gegen Terrorismus und Hass zu protestieren.

Wie zuvor bereits der KRM rief Schneider dazu auf, gemeinsam gegen eine Radikalisierung junger Menschen vorzugehen. „Wir müssen verhindern, dass jungen Menschen fanatisiert werden“, betonte Schneider. Der KRM hatte bereits Anfang der Woche betont, dass die Verbände und Gemeinden allein bei dieser Aufgabe überfordert seien. Nur gemeinsam könne die Gesellschaft gegen die Radikalisierung von jungen Menschen angehen.

Zum KRM gehören die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), der Islamrat, der Verband Islamischer Kulturzentren (VIKZ) und der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD). (KNA/iQ)

Leserkommentare

Burak sagt:
"(...) und wir glauben ihnen das auch." Nikolas Schneider vom EKD hat genau die passenden Worte gefunden und damit ein wunderbares Signal für ein friedliches Miteinander ausgesendet. So wichtig wie die klare Positionierung der Muslime war, so war auch die Solidarisierung der Mehrheitsgesellschaft von existentieller Bedeutung für die muslimische Community. Die Anteilnahme der Religionsgemeinschaften sollte für die Politik ein Vorbild für ihre ignorante Haltung gegenüber antimuslimischem Rassismus darstellen.
19.09.14
18:36