Islam

Berât-Nacht: Die Nacht der Vergebung

Muslime begehen heute die „Nacht der Vergebung“. In ihr sind die „Tore der Barmherzigkeit“ weit geöffnet und die Gläubigen konzentrieren sich kurz vor Beginn des Ramadans auf ihre Gottesdienste.

12
06
2014
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Zwei Wochen vor Beginn des islamischen Fastenmonats Ramadan, also in der fünfzehnten Nacht des muslimischen Monats Schabân, liegt die „Nacht der Vergebung“ – „Berât-Nacht“, „Layl al-Bara’a“ oder auch „Berât Gecesi“ genannt. In diesem Jahr ist die Berât-Nacht in der Nacht von Donnerstag (12. Juni 2014) auf Freitag (13. Juni 2014).

„Berât“ bzw. „Bara’a“ bedeutet wörtlich soviel wie „entfernt sein“, „freisprechen“, „rein“ und „unschuldig sein“. Die Gläubigen hoffen in dieser Nacht, die Gnade Allahs zu erlangen. Daher bitten sie in dieser Nacht Allah vermehrt um Vergebung für ihre Sünden.

Außerdem gibt es Überlieferungen, wonach Allah in der Berât-Nacht seine Engel über die Gaben und die Lebenszeit seiner Diener unterrichtet. Die Berât-Nacht ist somit auch eine Nacht der Rechenschaft. In ihr wird die Abrechnung über alle guten und schlechten Taten vorgenommen. Es ist üblich, dass sich die Gläubigen auf den Ramadan vorbereiten, indem sie sich in den Wochen vorher auch selbst über ihre Fehler und Verfehlungen Gedanken machen und somit Bilanz über das vergangene Jahr ziehen.

Gebet, Fasten und Spenden

Es wird überliefert, dass der Prophet Muhammad (s) folgendes über die Berât-Nacht berichtete: „Am frühen Abend des fünfzehnten Tages des Monats Schabân kam Gabriel zu mir und sagte: „O Muhammad, hebe deinen Kopf zum Himmel.“ Ich fragte ihn: „Was für eine Nacht ist diese Nacht?“ Gabriel antwortete: „In dieser Nacht öffnet Allah dreihundert seiner Tore der Barmherzigkeit. Bis auf die Götzenanbeter vergibt er fast jedem, außer Zauberern, denen, die ständig Alkohol trinken, Zinsen nehmen, Ehebruch begehen und Hass pflegen. Diesen vergibt Allah nicht, bis sie bereuen.” ((Buchari, Anbiya 50, Amil fis Salat, 7))

Daher verbringen viele Muslime diese Nacht in innigen Gottesdiensten. Die Moscheen sind hell erleuchtet und es gibt spezielle Veranstaltungen für die Gläubigen. Andere wiederum verbringen die Nacht Zuhause im Gottesdienst und viele Muslime fasten am nächsten Tag. Es gehört zur Tradition, dass man die Gräber und Verwandten besucht. Es gilt zudem als statthaft, für die Bedürftigen zu spenden.

Religionsgemeinschaften gratulieren zur Berât-Nacht

Vertreter der islamischen Religionsgemeinschaften haben den Muslimen anlässlich der Berât-Nacht gratuliert. So erklärte der Vorsitzende der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), Prof. Dr. Izzet Er, zur Bedeutung dieser Nacht im Islam: „Diese in unserem religiösen Leben als Leuchter (Kandil) genannten segensreichen Nächte geben uns, die wir in der Hektik der Welt uns von unserem eigentlichen Wesen entfernen, den Zweck unserer Existenz und unserer Erschaffung vergessen und nach unseren Begehren und Wünschen folgend ein ganzes Leben vergeuden, die Gelegenheit, zu uns selbst zu finden und uns selbst zu hinterfragen, das Vergängliche und das Bleibende voneinander zu unterscheiden, die Augen unserer Herzen zu eröffnen und unsere innere Welt zu reinigen.“

Und der Vorsitzende der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG), Kemal Ergün, erklärte: „In der fünfzehnten Nacht des Monats Schabân werden Bittgebete angenommen. Wir sollten dafür beten, dass sich die uns mit Schmerz erfüllenden Zustände in der islamischen Welt zum Guten wenden.“ Ergün bekräftigte, die Berât-Nacht sei auch die Nacht der Vergebung. „Daher kommt es für uns Muslime nun darauf an, den Tag vor dieser Nacht, den Tag nach dieser Nacht und die Nacht selbst, in bester Weise zu nutzen. Wir sollten auch die Situation derjenigen Muslime vor Augen halten, die sich in Syrien in einem anhaltenden Bürgerkrieg befinden, in Arakan, wo sogar ihre Existenz geleugnet wird, in Lagern gefangen gehalten werden, und in Zentralafrika einem Massenmord ausgesetzt sind. Vor diesem Hintergrund sollten wir in unseren Bittgebeten Frieden für die ganze Welt und Glückseligkeit für die Menschheit erflehen“, sagte Ergün.