Islamfeindlichkeit

Fast jede zweite Moschee bereits Angriffsziel

Eine neue Untersuchung zeigt, dass fast jede zweite Moschee in Groß-Britannien bereits Ziel eines islamfeindlichen Angriffs gewesen ist. Die Gefahr wird von der Politik nicht ernst genommen und Rechtsextremisten hetzen gegen Muslime.

02
07
2013
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Während es in Deutschland keine hinreichenden Zahlen und Statistiken über Islamfeindlichkeit gibt und aus islamfeindlichen Motiven begangene Straftaten nicht separat erfasst werden, sieht die Lage in Groß-Britannien anders aus. Dort gibt es einzelne Einrichtungen, die auch staatlich gefördert, sich der Dokumentation solcher Fälle widmen. Die jüngste Untersuchung dieser Daten zeigt, dass fast jede zweite Moschee auf der Insel bereits Opfer eines islamfeindlichen Angriffes gewesen ist.

Prof. Nigel Copsey von der Teesside University in Middlesbrough erklärte, dass seit dem 11. September 2001 zwischen 40 % bis 60 % aller Moscheen in Groß-Britannien Ziel eines islamfeindlichen Angriffes gewesen sind. Copsey bestätigte auch die Vermutung, dass seit dem brutalen Mord an einem britischen Soldaten in Woolwich die Zahl der Übergriffe auf Muslime und muslimische Einrichtungen zugenommen hat.

Gelder gekürzt

Seine Ergebnisse stützt Prof. Nigel Copsey, der vor allem im Bereich von antifaschistischen und antirassistischen Studien arbeitet und als Experte in diesem Gebiet gilt, dabei auf Zahlen der Organisation „Tell Mama“. Diese hatte zuletzt täglich im Schnitt neun neue Fälle von rassistischen Übergriffen auf Muslime verzeichnet.

Die Meldung dieser Fälle hatte jedoch nicht zur Folge, dass es zu einem politischen Umdenken im Land kam – im Gegenteil. „Tell Mama“, dass durch staatliche Hilfe am Leben gehalten wird, wurden die Gelder gekürzt. Der Organisation wurde durch die Politik vorgeworfen, sie hätte die Zahlen von Übergriffen nach dem Mord am Soldaten Lee Rigsby übertrieben dargestellt. Knapp 200 Übergriffe waren bereits nach kurzer Zeit registriert worden. Copsy bestätigte nun, dass die Zahlen realistisch sind und höchstwahrscheinlich stimmen.

Rassismus ist das Problem

Tatsächlich zeigen die Ergebnisse der Untersuchung, dass es in Groß-Britannien einen großen Rassismus gegenüber Muslimen gibt, der sie auch in ihrer Existenz bedroht. Vor allem rechtsextreme Gruppierungen wie die „English Defence League“ (EDL) haben nach dem Mord am britischen Soldaten immer wieder gegen Muslime gehetzt und provoziert.

Im Norden Londons kam es anscheinend im Zuge dieser Hetze zu einem Moscheebrand. An einer Wand fand man später nach der Löschung des Brandes ein Graffiti mit dem Kürzel der EDL. Diese ruft immer wieder öffentlichkeitswirksam zu Protesten gegen Muslime auf. Bereits am 20. Juli wollen die Rechtsextremen in Birmingham erneut gegen Muslime marschieren. Eine gezielte Provokation – schließlich leben in Birmingham überproportional viele Muslime.

In Groß-Britannien leben Schätzungen zufolge zwischen 3 – 4 Millionen Muslime. Die meisten sind gut integriert. Ursprünglich kommen die meisten Muslime von einer ehemaligen Kolonie des Britischen Empire, wie Pakistan.