ISLAMRAT

Kızılkaya kritisiert Debatte um Schwimmunterricht

Der Vorsitzende des Islamrats, Ali Kızılkaya, äußerte sich besorgt über die jüngste Debatte um den Schwimmunterricht an Deutschen Schulen. Kızılkaya beklagt, dass die Kommentare in der Debatte weder sachlich noch vertrauensbildend sind.

12
04
2013
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Der Islamrats-Vorsitzende kritisiert, dass beim Schwimm- und Sport-Unterricht eine Trennung nach Geschlechtern als „integrationspolitisch falsches Signal“ bezeichnet wird. Hierzu verweist Ali Kızılkaya auf ein Grundsatz-Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 1993. Schulverwaltungen sind verpflichtet „alle ihr zu Gebote stehenden, zumutbaren organisatorischen Möglichkeiten auszuschöpfen, einen nach Geschlechtern getrennten Sportunterricht einzurichten und anzubieten“, wenn dies von Eltern gewünscht wird.

Auch die Deutsche Islam Konferenz (DIK) empfiehlt in seiner Handreichung, dass Schulen einen Weg finden sollten, einen nach Geschlechtern getrennten Sport- bzw. Schwimmunterricht einzurichten. Darin wird auch erklärt, dass erfolgreiche Integration darauf angewiesen ist, dass es eine umfassende Teilhabe gibt, bei der sich die Eltern auf ihre verfassungsrechtlich garantierte Religionsfreiheit berufen können.

Die jüngsten Kommentare aus der Politik werden von Kızılkaya daher mit Sorge verfolgt. Es sei „nicht gerade vertrauensbildend, wenn einmal gemeinsam Beschlossenes wieder in Frage gestellt wird.“

Auslöser für die Debatte war der Kommentar des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück (SPD). Dieser hatte auf eine Frage hin erklärt: „Wenn die Schulen es einrichten können, sollten sie da Rücksicht auf die religiösen Gefühle nehmen und getrennten Sportunterricht anbieten.“ Steinbrücks Äußerung sorgte für eine kontroverse Debatte . Zuletzt hatte sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eingeschaltet und getrennten Schwimm- und Sport-Unterricht abgelehnt.

Monoedukation, also nach Geschlechtern getrennter Schwimm- und Sport-Unterricht, ist in Deutschland weit verbreitet. Der Sprint-Studie des Deutschen Sport Bunds nach finden etwa in Bayern 93,2 % des Sportunterrichts, in Baden-Württemberg 88,3 % und in Sachsen 73,8 % des Sportunterrichts getrenntgeschlechtlich statt.